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Die Lehren von Bhagavan Sri Ramana Maharshi

Wer bin Ich? Dies ist die allumfassende Fragestellung und in seiner Tiefe nicht durch unseren Verstand zu verstehen.

Diese Fragestellung ist die Essenz der Lehre von Sri Raman Maharshi.

Hier gibt es das kleine Büchlein mit Fragen und Antworten von Maharshi:

D I E L E H R E N von B H A G A V A N SRI RAMANA M A H A R S H I

 

 

Ramana Maharshi

(Tamil: ரமண மஹரிஷி; Sanskrit: रामण महर्षि – Maharshi bedeutet „Großer Weiser“, Geburtsname Venkataraman) (*30. Dezember 1879 in Tiruchuli im südindischen Tamil Nadu; † 14. April 1950 in Tiruvannamalai, Indien) war ein indischer Guru.

Ramana Maharshi lebte schweigend, antwortete aber auf Fragen spirituell Interessierter. Er war ein Vertreter des Advaita-Vedanta des 20. Jahrhunderts und empfahl Ratsuchenden, die nach einer Übung fragten, die Methode Atma Vichara, die Ergründung des Selbst auf Grundlage der Frage: „Wer bin ich?“. Dutzende westliche Lehrer berufen sich heute auf ihn und sehen in ihm ein Vorbild.

Quelle: Wikipedia

Impuls zum Thema „Einheit von allem“ von Petra Wagner, Mitglied der Leitung der Kontemplationslinie Benediktushof

„Drum, wer Ohren hat zu hören, der höre!
Es ist nicht zwei, nicht drei, nicht tausende,
es ist Eins und alles; es ist nicht Körper und Geist geschieden,
dass eine der Zeit, das andere der Ewigkeit angehöre,
es ist Eins, gehört sich selbst,
und ist Zeit und Ewigkeit zugleich,
und sichtbar und unsichtbar, bleibend im Wandel,
ein unendliches Leben.
Karoline von Günderode

Einheit von allem. Was ist das? Die wirkliche Schwierigkeit besteht darin, dass der Verstand sofort eine Interpretation liefert. Alles, was auf dem spirituellen Weg gehört wurde, gelesen wurde, vielleicht sogar als leise Ahnung erfahren wurde, interpretiert sich über den Intellekt, versucht sich einzusortieren, um die gewohnte Sicherheit aufrecht zu erhalten. Sicherheit, die in der personellen Struktur begründet ist. Genau jener Struktur, die die Dualität, die Gegenüberstellung von Ich und Du, als existenziell notwendig erfahren hat und erfährt.

Um den Alltag organisieren zu können und auch in den zwischenmenschlichen Beziehungen kommunizieren zu können, braucht es ein starkes Ich. Allein der Besuch eines Kurses erfordert Struktur und vielerlei rationale Entscheidungen – beginnend mit der Organisation des Hauses, Terminplänen, Kursprogramm, Kursleitung etc. Erst dann ist eine Anmeldung und der Besuch überhaupt  möglich. Weshalb also sollte das Ich entwertet werden?
Wird es auch nicht. Die so selbstverständliche Über-Bewertung lässt es so empfinden. Sie scheint so stark in uns konditioniert, dass jede Aufforderung des Spürens, Lauschens, Innehaltens, jede Frage nach der Wirklichkeit „hinter“ dem Ich, als Ent-Wertung empfunden wird und in Widerstand mündet. Das „starke Ich“, kostbar und sehr sinnvoll, offenbart seine Schwäche: die bedingungslose Aufrechterhaltung der Machtstruktur, die sinnentleerte Über-Bewertung.

Ein vis-à-vis ein Gesicht-zu-Gesicht (zugegeben, eine etwas gewagte direkte Übersetzung des so geläufigen Wortes) erfährt sich zunächst nicht als Einheit, sondern als Ich und Du in Beziehung, Auseinandersetzung und Kommunikation. Dass wir einander Spiegel sind, ist eine meist langsam reifende Erkenntnis. Dass wir einander nicht nur Spiegel sind, sondern wir selbst es sind, die sich im anderen begegnen, weiter noch, wir selbst die – der – das Andere sind, ist mit dem Intellekt nicht mehr erfassbar, entzieht sich unserer Erkenntnismöglichkeit. Einheit von allem ist keine Erkenntnis, auch wenn es sich unsere personale Struktur noch so sehr wünscht, herbeisehnt und daran arbeitet und übt. Es ist eine Erfahrung des Seins im Augenblick. Einheit von allem ist, was wir zutiefst sind.

Während ich hier am PC sitze und schreibe, ist in einem anderen Zimmer klassische Musik zu hören, Rameau – dirigiert von Teodor Currentzis. Die Musik ist leise im Hintergrund und doch webt sie sich ein. Der Intellekt sucht nach Worten um die Erfahrung der Einheit in diesem Text Ausdruck finden zu lassen, sie zu transportieren. Zugleich ist diese wunderbare Musik spürbar anwesend.

Zunächst ist es ein Hören…. dann ein Spüren…. in allen Zellen…. Klang sein….
So findet sich ein wunderbares Beispiel. Das Hören ist noch in einer Distanz zum Klang, das Spüren löst die Distanz langsam auf, das Klangsein erfährt den Augenblick, die Einheit. Musik, vor Jahrhunderten komponiert – in unserer Zeit neu dirigiert…. eine Brücke über die Zeit…. Zeit und Ewigkeit zugleich.

Einheit von allem ist Wirklichkeit.

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Eckhart Tolle – Vorträge, Workshop und Retreat 2019 – Jetzt oder nie -Tour

Erlebe einen der herausragendsten spirituellen Lehrer unserer Zeit! Eckhart Tolles tiefe und einfache Lehren haben unzähligen Menschen auf der ganzen Welt geholfen, einen lebendigen inneren Frieden in ihrem täglichen Leben zu finden.

Quelle: Eckhart Tolle – Vorträge, Workshop und Retreat 2019 – Jetzt oder nie -Tour

Du selbst bist Buddha

Ich rede davon dein eigenes Selbst zu erkennen. Wie weit musst du reisen um dies zu tun? Wie weit ist dein eigenes Selbst von dir entfernt? Du musst nur erkennen wo du jetzt gerade bist und da bleiben. Was für eine Anstrengung braucht es dazu? Dieses Wissen, dieses Verstehen ist die Wahrheit nach der du suchst. Ist diese Wahrheit, nach der du suchst, zu irgendeinem Zeitpunkt nicht gegenwärtig? Ist diese Wahrheit je von dir getrennt gewesen? Wenn ja, dann musst du natürlich danach suchen und schauen wo du sie vielleicht verloren hast. Aber wenn sie niemals weg war, welche Anstrengung wird dann benötigt um sie zu finden?

Die meisten Leute wollen temporäre Gelüste befriedigen, die allesamt vom Gehirn erzeugt werden und nach kurzer Zeit nachlassen. Wenige entscheiden sich für ewig währende Ruhe und Liebe. Du selbst bist Buddha. Stell dein Licht nicht unter den Schemel! Du hast dasselbe Licht, dieselbe Weisheit, dasselbe Bewusstsein wie er.

Formen (Gedanken und Gefühle) sind temporär. Du kannst dich nicht an sie halten, ohne Angst und Verwirrung zu erzeugen.
Wer ist der stille Zeuge sämtlicher physischen, sinnlichen und intellektuellen Erfahrungen? Dieser Zeuge ist nicht involviert, er ist lediglich ein Beobachter. Unberührt aufmerksames Beobachten ist reines Sein, dein herzallerliebstes Selbst, der Ursprung aller Schöpfung. Nichts Geringeres als DAS bist du!

Verankert im Bewusstsein kannst du alle aufsteigenden Gedanken und Gefühle nach Herzenslust geniessen.
Unterscheide zwischen dem ewig Vorhandenen und den Schaumbläschen die dauernd neu entstehen und zerplatzen
Halte dich an keinen noch so tief sitzenden Überzeugungen fest, sonst stinken deine Taschen nach toten Fischen.

Tu nichts! Dein ganzes Problem besteht darin, dass du immer etwas tust. Lass von all deinem Tun ab. Lass von all deinen Überzeugungen ab, all deinem Suchen, all deinen Ausflüchten und sieh, was schon immer hier war und ist. Beweg dich nicht. Beweg dich weder auf etwas zu noch von etwas weg. Sei jetzt in diesem Augenblick still.

Es gibt nichts zu lehren. Keine spirituelle Lehre berührt Erleuchtung. Erleuchtung ist deine vollkommen reale und authentische Erfahrung in diesem Moment. Ihr seid nichts anderes als Existenz an sich. Seht es überall, indem ihr Euch auf nichts Sichtbares fixiert. Dieses Sehen ist Sein, nicht die Betrachtung von Objekten. Nur der Intellekt hat das Bedürfnis, etwas im Grunde Unfassliches in Worte zu kleiden, die doch stets ungenügend bleiben müssen. Worte sind nur Wegweiser. Mit Worten wird einzig der Intellekt befriedigt – und auch das nur vorübergehend.

H. W. L. Poonja („Papaji“ )

Impuls zum Thema „Ankommen im Jetzt“ von Fernand Braun, spirituelle Leitung Benediktushof

Sag nicht, dass ich morgen scheide,
denn ich bin noch gar nicht ganz da.
Ich komme gerade erst an mit Lachen und Weinen, mit Furcht und mit Hoffnung

Bitte rufe mich bei meinem wahren Namen,
damit ich all meine Schreie und mein Lachen
zur selben Zeit hören kann,
damit ich sehen kann, dass meine Freude und mein Schmerz eins sind.

Bitte rufe mich bei meinem wahren Namen,
damit ich aufwachen kann,
und das Tor meines Herzens offen bleiben kann.
Das Tor des Mitgefühls.
(Thich Nhat Hanh)

„Ich bin noch nicht da!“ höre ich so oft am ersten Kurstag von Teilnehmern. Oder: „Ich komme gerade erst an!“ – eine Aussage meist am Ende des Kurses, wenn es wieder zurückgeht in den Alltag, nach Hause, wo ich mich manchmal nicht wirklich zuhause fühle und auch mir fremd bin.

Es ist ein tiefsitzendes Empfinden, dass das, was ist, noch nicht das Wirkliche oder Richtige zu sein scheint. Ein Gefühl „noch nicht genug zu haben“ und etwas bekommen oder erreichen zu müssen, wo ich „mehr ich selbst sein kann“. Das Ich, das sich als von allem getrennt wahrnimmt, und der gegenwärtige Moment werden als armselig, dürftig und ungenügend definiert. Die Gegenwart existiert als Defizit. Das wirkliche Leben sprudelt immer wo anders. Es herrscht ein permanenter Zustand von Unzufriedenheit.

Das Leid, welches ein Mensch in einer solchen Situation empfindet, liegt aber nicht an dem Lebensumstand selbst, sondern daran, dass er den gegenwärtigen Moment, so wie er ist, nicht annehmen will, deshalb vor ihm wegläuft oder ihm inneren Widerstand entgegen setzt.

Dieser Widerstand gegen das „Sosein“ des gegenwärtigen Augenblicks bedeutet im Grunde nichts anderes, als sich vor sich selber zu verstecken! Das ist die Gretchenfrage:
Wie viel Verbindung zu dir selbst hast du in deinem bisherigen Leben? Frage dich selbst, wie oft du schon versucht hast, aufrichtig und bedingungslos mit dir, mit deinem Herzen, in Verbindung zu treten.
Wie oft schon hast du dich abgewendet, aus Furcht, etwas Schreckliches über dich selbst zu entdecken? Wie oft warst du bereit, dich selbst im Spiegel anzuschauen, ohne dass es dir peinlich wurde?
Wie oft hast du dich selbst abgeschirmt – hinter einer Zeitung, beim Chatten, durch Fernsehen oder einfach durch Rückzug?

Das Erwachen ist nur möglich, wenn du bereit bist, dich dir selbst zu stellen. Das mag dir als hohe Anforderung erscheinen, vielleicht als sinnlos oder gar unmöglich, doch sie ist unabdingbar.

Wenn du bei der Meditation aufrecht und trotzdem entspannt sitzt, dann bist du nackt. Dein ganzes Sein, dein Herz ist bloßgelegt, vor allem vor dir selbst und vor anderen. Beim stillen Sitzen, indem du dem Atem folgst, wie er einströmt und wieder ausströmt und sich verflüchtigt, stellst du die Verbindung zu deinem Innersten, deinem Herzen her und lässt dich einfach sein. Wie schwierig und fast unmöglich! Aber dann kann es geschehen, dass etwas in deinem Inneren „umkippt“ und eine tiefe Stille und unendlicher Frieden dich erfüllt. Staunend stellst du fest, dass das erwachte Herz „leer“ ist – offen und weit, wo Freude und Schmerz eins, Lachen und Weinen zur selben Zeit wahrnehmbar sind. Dieses erwachte Herz ist reines Mitgefühl, bedingungslose Bejahung. Weich und wund fühlt es sich an.

Wenn du deine Augen für die Welt öffnest, überkommt dich – so paradox es klingt – eine stille Freude und gleichzeitig abgrundtiefe Traurigkeit. Es hat nichts mit äußeren Gründen zu tun: Du bist nicht traurig, weil jemand dich verletzt hat, oder weil du einen Verlust zu beklagen hast. Diese Traurigkeit ist grundlos. Sie rührt daher, dass dein Herz ganz bloßgelegt ist – ungeschützt.

Gleichzeitig entsteht ein tiefes Einverständnis für die Soheit der Dinge! Es ist die Geburt von Gleichmut und Furchtlosigkeit. Es meint nicht Furchtlosigkeit in dem Sinne, dass man keine Angst hat oder dass man zurückschlägt, wenn man geschlagen wird. Es ist die Bereitschaft, dein verwundbares, wunderbares Herz berühren zu lassen. Die Bereitschaft, ohne Abwehr und ohne (Ab-)Scheu dich dir und der Welt zu öffnen, und die Bereitschaft, dein Herz mit anderen zu teilen. Es ist das Leben selbst!

Das bedeutet „Ankommen im Jetzt“!

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Die Bedeutung von Leistung

Impuls zum Thema „Die Bedeutung von Leistung“ von Doris Zölls, spirituelle Leitung Benediktushof

Der Rabbiner von Chicago ist leidenschaftlicher Golfspieler. Die ganze Woche war dicker Nebel – am Schabbes jedoch scheint die Sonne. Der Rabbiner steht am frühen Morgen auf dem menschenleeren Golfplatz, die Sportleidenschaft siegt über die Frömmigkeit, er nimmt den Schläger in die Hand… Sein Vater schaut vom Himmel herab und sagt kopfschüttelnd zum lieben Gott: „Siehst du, was
mein Sohn, der Rebbe, da unten macht?“ Der liebe Gott antwortet: „Ich werde ihn bestrafen!“ Der Rabbiner unten legt den Ball zurecht, holt mächtig aus und schlägt… 250 Meter und genau ins Loch! Sein Vater sagt verbittert: „Das nennst du Strafe?“ Der liebe Gott lächelt: „Wem soll er es erzählen?“

In dieser kleinen Geschichte wird die schillernde Bedeutung von Leistung wunderbar sichtbar.
Am eindrücklichsten ist, dass eine hervorragende Leistung, die für andere nicht sichtbar ist und ich mich mit ihr nicht brüsten kann, als Strafe bezeichnet wird. Leistung, Stolz, Anerkennung, Versagen, unser ICH, sie alle sind eng miteinander verwoben. Schon von klein auf erleben wir, dass, wenn uns etwas gelingt, wir gelobt werden. Da freuen sich die Eltern, wenn das Kind die ersten Schritte macht, ja schon wenn es sich in die Senkrechte begibt. Das Kind geht aufs Töpfchen und die Eltern loben es für sein Produkt, als ob es dieses selbst geschaffen hätte.

So geht es in unserem Leben beständig weiter. Alles, was den Wünschen und Vorstellungen entspricht, darüber freuen sich Eltern, Lehrer, Freunde, Mitmenschen.  Für alle „Leistungen“ bekommen wir Anerkennung. Da ist es unumgänglich, dass sich in unseren Köpfen der Gedanke einnistet, mein ICH leistet Unglaubliches.

Wenn ich dem Erwünschten der anderen entspreche, dann bin ich richtig und werde dafür belohnt. Anerkennung ruft in uns angenehme Gefühle hervor und so ist es verständlich, dass wir uns in unserem ganzen Leben auf den Weg machen, nach Anerkennung zu heischen. Unser ICH hat sich die Leistung auf seine Fahne geschrieben, doch wehe, wenn es den Vorstellungen nicht nachkommt. Misslingt uns etwas, bleibt das angenehme Gefühl des Lobes aus, ja folgt statt dessen ein Tadel, tun sich sogleich unangenehme Gefühle auf. Unser ICH fühlt sich beschämt, nicht mehr angenommen. Es hat versagt. ICH kann es nicht. Mein ICH will sein Scheitern vertuschen, vielleicht findet es Schuldige, die das Scheitern verursacht haben, dann hat es wenigstens eine Entschuldigung, doch der Leistungsdruck bleibt nicht aus und drückt auf unser ICH.

Schauen wir jedoch auf diese so genannten Leistungen, stellt man ganz schnell fest, dass es da überhaupt kein ICH gibt, das sich frei und unabhängig entscheiden könnte, Großartiges zu leisten. Das Kind entscheidet sich nicht, jetzt richte ich mich auf, jetzt laufe ich. Das Aufrichten, das Laufen, stecken in ihm und wollen sich in ihm entfalten!

Das gilt für all unsere Leistungen, für die wir unser freies, eigenständiges ICH verantwortlich machen. Die Leistungen sind in uns und wollen gelebt werden. Auf ein ICH stolz zu sein und Leistungen als seinen eigenen Erfolg zu deklarieren, trifft die Sache nicht. Worauf könnten wir da stolz sein, dass sich das Leben in uns so vollzieht? Wenn sich jedoch in uns alles „von ganz alleine“ entfaltet, bedeutet dies dann nicht, dass wir eben sind, wie wir sind, determiniert, fest gelegt auf das, was in uns angelegt ist und dafür nicht verantwortlich? Muster, Konditionierungen, Prägungen, eben das, was wir als unser ICH verstehen, bestimmt uns unbewusst sehr. Doch gleichzeitig ist dieses ICH nicht frei und eigenständig. Es ist abhängig von den Umständen, es schwankt daher hin und her und wandelt sich je nach Situation. Bereits wenn es verliebt ist macht dieses Gefühl aus jemanden, der vorher vielleicht unentwegt genörgelt hat, einen fröhlichen und zufriedenen Zeitgenossen. Wer sind wir dann wirklich?

Auf diese Frage antwortete einst ein alter Zen-Meister seinem Schüler: „Willst du wissen wer du wirklich bist, dann sei achtsam bei allem, was du tust. Nimm wahr, was sich in diesem Augenblick lebt.“ Kein ICH kann etwas leisten, kein ICH kann scheitern. Stolz, Minderwertigkeit, Neid, Missgunst, die Gier nach Anerkennung, sie alle sind Gedanken und Gefühle, die die Ereignisse des Lebens unangenehm färben.

Erkennen wir sie als Chimären und halten sie nicht fest, können sie sich auflösen und unser ICH steht nicht mehr dem Leben gegenüber, sondern es wird eins mit dem Leben. Leistungen geschehen. Freude taucht auf. Versagen geschieht. Ich halte das unangenehme Gefühl aus. Nichts fest halten, weder das eine bevorzugen, noch das andere ablehnen, macht uns frei in jedem Augenblick das zu leben, was sich gerade ereignet.

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Nichts wird sich in der Welt ändern, ändert sich nicht der Mensch!

Nichts wird sich in der Welt ändern, ändert sich nicht der Mensch!

Am Ende seiner Reden pflegt der Inder Jiddu Krishnamurti Fragen zu beantworten, die ihm von seinen Hörern im voraus vorgelegt worden sind. So auch gestern bei seinem ersten Vortrag in der (nicht ganz gefüllten) großen Musikhalle.

Eine der Fragen hieß: Wie können wir einen neuen Krieg verhindern? (Es ist das Nächstliegende, was die Deutschen bedrängt.)

Krishnamurti antwortete darauf, dass sich nichts ändern werde, wenn der Mensch sich nicht ändere, sondern darauf beharre, in erster Linie Deutscher oder Inder oder Russe oder Christ oder Mohammedaner zu bleiben, statt in erster Linie Mensch zu sein. Er müsse sich bewusst machen, wie sehr er an diese Vorstellungen seiner Überlieferung gebunden sei und sich über sie erheben, um jeden anderen Menschen wie auch sich selbst als Menschen erleben zu können.

Zu diesen Belastungen durch die Überlieferung zähle auch das soziale Erfolgsstreben, der Ehrgeiz, der Egoismus des Menschen. Wenn er immer noch mehr werden und haben wolle – das sei ja bereits »Krieg«, und er werde den Krieg nicht überwinden, solange er sich in diesen Punkten nicht ändere. Die äußeren Zustände in der Welt seien ja nur der Ausdruck dessen, was in den Menschen innerlich vorgehe. Durch Gesetze der Staaten sei der Frieden nicht zu bekommen, sondern nur durch die Menschen selbst.

Das sind einleuchtende Gedanken. Sie werden den Nachdenklichen nicht gar so neu erscheinen, und die Christen werden sich erinnern, dass ihre Lehre sie ganz ähnlich seit 2000 Jahren verkündet. Freilich ist es etwas anderes, sie von einem indischen Philosophen und Lehrer statt von dem Pfarrer auf der Kanzel vertreten zu sehen.

Von einem Manne überdies, der jede Lehre, jede Dogmatik, jede Tradition, jede Bindung an Kirche oder Religionsgemeinschaft strikt ablehnt und die Menschen auffordert, nicht in der Vergangenheit zu leben, sondern den Ballast jeglicher (auch der persönlichen) Überlieferung, der Ideen und der Erinnerungen abzuwerfen, unbefangen in der Gegenwart zu leben und sich selbst zu erkennen: Wer sich der Autorität eines anderen unterstellt, kann wohl erfahren, was andere denken, aber er wird nicht erfahren, was er selbst denkt.

Das Leben – so gibt Krishnamurti zu bedenken – ist in ständiger Bewegung; wir sollten daher versuchen, dieses Leben zu verstehen und nicht die Ideen, die wir uns selbst oder die andere sich über das Leben machen. Wir müssen die Wirklichkeit erkennen, und solche Erkenntnis kann niemand anders für uns gewinnen, sondern nur wir selbst. Wir müssen ursprünglich werden, damit die Wirklichkeit in unser Leben kommt.

www.jkrishnamurti.de

Die Wirklichkeit existiert

Es gibt eine Wirklichkeit, die den Geist verwandelt, wenn sie ihn erfasst – man muss nicht das Geringste tun. Diese Wirklichkeit tritt in Aktion, sie wird tätig, sie hat ihre eigene Wirkungsweise. Der Geist muss sie jedoch wahrnehmen, muss sie kennen, er darf keine Vermutungen anstellen und darf sich nicht alle möglichen Vorstellungen von ihr machen. Ein Geist, der nach ihr sucht, wird sie niemals finden, aber dieser Zustand existiert zweifellos. 

Wenn ich das sage, stelle ich keine Vermutungen an und spreche auch nicht von einer vergangenen Erfahrung. Es ist so. Dieser Zustand existiert. Und wenn man diesen Zustand erfährt, stellt man fest, dass alles möglich ist, denn das ist Schöpfung, das ist Liebe, das ist Mitgefühl.

Krishnamurti in der Rede am 23. Dezember 1956 in Bombay

www.jkrishnamurti.de

Was ist Wesentlich?

Impuls zum Thema „Was ist Wesentlich?“
von Dr. Alexander Poraj

Benediktushof Holzkirchen

„Es gibt eine Menge ignoranter Priester, die ihren Schülern erzählen: ‚Buddha ist das Letztgültige‘…
Wir sollten verstehen, dass sein Leben und Tod sich überhaupt nicht von unserem Leben und Tod unterschieden.“

(Rinzai)

 

Was ist Wesentlich?

Bevor Sie beginnen nach Antworten zu suchen, spüren Sie bitte der Wirkung dieser Frage nach. Diese und ähnliche Fragen zwingen unser Bewusstsein dazu nach einem „Etwas“ zu suchen. Und je nach religiöser oder kultureller Tradition, verfügen wir über eine große Sammlung an Antworten. Für viele ist immer noch Gott das Wesentlichste. Für andere ist es die Liebe, dicht gefolgt von Freiheit, Gesundheit, Familie, Freundschaften, Erfolg, Beruf oder Geld. Die Auflistung lässt sich ins Endlose fortsetzen, weil in unserer, auf Individualität basierenden Kultur, jede Antwort ernstgenommen werden will, denn von dem geglaubten Über-Etwas, das allen anderen „Etwas“ zu Grunde liegen soll, hängt normalerweise der Sinn und damit unsere Stabilität ab.

Leider streitet man seit Menschheitsgedenken darüber, was dieses Über-Etwas sein soll und ob es denn überhaupt existiert. Der Erfolg des Streites ist mäßig, dafür aber sind seine Nebenwirkungen umso tragischer, da sie bis heute das Leben und die Würde von Millionen von Menschen einfordern. Genau im Namen des Wesentlichen und Wahren, das bestimmte Personen und Gruppierungen glauben, gefunden zu haben, wurden und werden immer noch Kriege geführt und  Revolutionen angezettelt, Diktaturen eingesetzt usw. Wir alle tun uns immer wieder zusammen, weil wir meinen, endlich mal das Wahre, Wesentliche und Richtige mit Gleichgesinnten teilen zu können, ja zu müssen und sind ebenfalls sehr schnell der Meinung, wir wüssten es schon, nur sehen es die „anderen“ noch nicht so wie wir und müssen dazu, im besten Falle überredet, sonst aber erzogen oder, wenn das Wahre und Wesentliche es verlangt, sogar gezwungen oder gar eliminiert werden.

Warum ist das so? Weil wir, was die Beschaffenheit der Wirklichkeit angeht, einer Täuschung unterliegen. Worin besteht sie? Sie besteht darin, dem Denken und dem Fühlen derart zu vertrauen, dass wir das Gedachte und Gefühlte mit der Wirklichkeit gleich setzen. Das klingt ein bisschen komisch, besagt aber, dass wir wirklich gänzlich davon überzeugt sind, die Wirklichkeit wäre genauso, wie unser Denken und Fühlen funktionieren. Und wie funktionieren sie? Sie erzeugen ein „Etwas“ und ein „Anderes“, damit auch ein „Gegenüber“ zugleich einen Wahrnehmenden und Sehenden dazu. Sie erzeugen ein „schönes“ und ein „schlechtes“ Gefühl. Mit anderen Worten: Sie vermitteln den Eindruck, die Wirklichkeit bestünde aus an sich unabhängigen Wesen und Gegenständen, denen dann, logischerweise, etwas Wesentliches zugrunde liegen müsste.

Nun aber zeigt die Zen-Erfahrung, dass es so nicht ist. Mehr noch: die Einsicht in die Beschaffenheit der Wirklichkeit, um die es im Zen geht, zeigt, dass es an sich weder ein „Außerhalb“ noch ein „Innerhalb“  gibt; weder ein „Hier“ noch ein „Dort“; weder ein „Noch nicht“ noch ein „Später“; weder „Richtig“ noch „Falsch“; weder „Gut“ noch „Böse“. Warum? Weil das alles die Kategorisierungen des Denkens und Fühlens sind, welche die Wirklichkeit nur „Gestückelt“ betrachten können und sie deswegen auch zerstückeln. Jedes so entstandene „Etwas“ wird dann sofort empfunden und das heißt verglichen und bewertet und in Folge gewollt oder abgewiesen. Das „Wesentliche“ ist dann nichts anderes als der alles rettende Gedanke, dem unser verzweifeltes Denken und Fühlen die Verantwortung für alles überträgt.

Also was tun? Nichts. Dank der unmittelbaren Präsenz stellt sich das Denken und Wahrnehmen ein und im gleichen Augenblick ereignet sich das Gewahrsein des Soseins. Es ist immer schon und immer nur so, wie es im Augenblick ist, bevor wir es zerstückeln, um es zu wissen, zu fühlen und zu verstehen. Es ist weder dies noch jenes, weder wesentlich noch banal. Es ist das eine heilige, unbegreifliche „Ist“. Ein heiliges Sosein, dass sich jeglicher Vergegenständlichung und Wahrnehmung entzieht, obwohl es diese ermöglicht. Es ist das Augenblick für Augenblick sich ereignende frische und unmittelbare Sosein, dem nie etwas fehlte, dem nie etwas zugrunde lag und in dem nie etwas als besser oder schlechter, wesentlicher oder unwesentlicher auszumachen wäre.

Es ist nicht die Antwort auf alle wichtigen Fragen, sondern das Nicht-Aufkommen jeglicher Frage in der Unmittelbarkeit des Ganzen. Aber glauben Sie mir bitte: All das Geschriebene ist es auch nicht und doch kann es gelesen werden.

Benediktushof Holzkirchen

Wann bin ich endlich zufrieden? – Doris Zölls – Zenmeisterin am Bendiktushof Holzkirchen

„Wohin ich auch flüchte,
Wasser rinnt im Gefälle und Sand im Stundenglas.
Ich höre die Früchte
Niedertropfen ins Gras.
Kein Windhauch rührt an Apfel und Vogelbeere,
es hat kein pickender Schnabel, keine pflückende Hand erfasst.
Nur die tief in der Frucht erwuchs, die verborgene Schwere
Löst sie tödlich vom Ast.
Aber ist diese Schwere nicht ihr herrlichstes Eigen,
eines Wesen mit ihr,
treulich genährt von dem ewig steigenden Saft in den Zweigen?
Herz, wovor graut es dir?“

(Werner Bergengrün)

Das Gedicht weist ohne Umschweife auf den Grund unserer menschlichen Unzufriedenheit. Es ist die Vergänglichkeit, die in uns bewusst oder unbewusst eine Zerrissenheit, und uns eine Schwere spüren lässt. Nichts können wir festhalten, nichts in Händen halten. Kaum glauben wir etwas erreicht zu haben, schon entschwindet es uns wieder. Aber nicht nur dies, auch das, was wir zu erlangen suchen, liegt nicht in unserer Macht. Sehnsüchte, Vorstellungen, wie etwas hätte gewesen sein sollen, oder wie das Leben sich doch einstellen möge, lassen uns nie zur Ruhe kommen. Was uns gefällt, können wir nicht festhalten, was uns missfällt nicht einfach aus unserem Leben wegschieben. Und doch klammern wir uns an unsere Visionen und an Erlebnissen, malen sie in Bilder, setzen sie in eine Geschichte und übersehen dabei das Gegenwärtige. Diese tut sich in jedem Augenblick in uns auf, überrascht uns. Doch bis wir sie begreifen, ist es schon längst wieder vorbei und wird zur Vergangenheit.

Die Angst vor der unentwegten Veränderung legt sich wie ein Schleier auf unseren Geist und verdunkelt unseren Blick auf das Leben wie es sich gerade im Hier und Jetzt zeigt. Wann werden wir wirklich leben? Wann wird unser Leben voll sein, wenn „kein Vogel oder eine pflückende Hand“ uns annimmt, sondern wir allein in die Schwere des Vergehens sinken? Immer und immer wieder wird diese Last uns erfassen, bis wir uns mit dem unentwegten Wandel selbst wandeln lassen. Daher fragt der Dichter: „Ist diese Schwere nicht ihr herrlichstes Eigen?“ Er weist auf den immerwährenden Rhythmus des Werdens und Vergehens. Wir sollten in diesen Rhythmus des Lebens eintauchen, uns seiner bewusst werden, mit ihm schwingen. Die Vorstellungen werden sich sogleich als Chimären erweisen. Wir können sie ziehen lassen, uns dem Leben hingeben, die Gegenwärtigkeit leben und in ihr die Zufriedenheit erfahren. Gegenwärtigkeit wird nicht durch erfüllte Wünsche genährt, im Gegenteil, diese gleichen den Wolken am Himmel, sie tauchen auf und haben keine Substanz.

Gegenwärtigkeit jedoch führt uns dazu, das, was ist, anzunehmen und zu dem zeitlosen Augenblick zu werden. Damit gleicht unser Leben einem Fluss, der immer derselbe ist, obwohl er sich stets verändert. Dieses Eintauchen in den Lebensfluss, mit jedem Moment zu schwimmen, macht uns lebendig und Zufriedenheit erfüllt uns.

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Freundschaft mit mir!

Impuls zum Thema „Freundschaft mit mir“ von Fernand Braun

„Ich bin vollkommen ehrlich zu mir selbst, und erlaube mir zu fühlen, was ich fühle, von Moment zu Moment, absolut sicher, dass nichts verändert werden muss, nicht einmal die belangloseste Empfindung. Ich bin verzaubert von Soheit.“
(Rani Kaluza)

Meditation oder „Freundschaft schließen mit sich selbst“ im Sinne einer Haltung mitfühlender Achtsamkeit und radikaler Akzeptanz bedeutet im Grunde zu erkennen, dass ich bei jeder Gelegenheit zu jeder Zeit am richtigen Ort bin und was auch immer geschieht, geschehen darf – mit der absoluten Sicherheit, dass ich nichts verändern muss. Denn Veränderung ist das, was zu jeder Zeit geschieht und ich darf mich ihr anvertrauen! Es ist diese ständig stattfindende Veränderung, die mich wandelt. Denn wirkliche Veränderung kann durch kein irgendein geartetes Ich bewirkt werden; das Ich kann das Ich nicht zwingen, sich zu verändern, es wäre wie ein Akt der Selbstverletzung!

Ich nenne es „Vertrauen“. Es ist nicht das Vertrauen auf etwas Bestimmtes, dass sich zum Beispiel meine Erwartungen erfüllen oder sich Befürchtungen nicht bewahrheiten mögen, sondern was auch immer geschieht, es darf geschehen. Das Vertrauen ist diese Haltung von Offenheit und Hingabe auf diesen Augenblick hin und was auch immer geschieht – was wir durchaus Leben nennen dürfen – mich in diesem offenen Raum erreichen kann und ich es dankbar annehmen kann.

Diese radikale Akzeptanz nenne ich auch „Mitgefühl“. Unter Mitgefühl haben wir oft die Vorstellung von Weichherzigkeit, Sanftheit oder Nachsicht. Ein wesentlicher Aspekt von Mitgefühl ist „Ehrlichkeit“, vor allem Ehrlichkeit sich selbst gegenüber! Es bedeutet nicht auszuweichen, meinen Gedanken und  Emotionen mit „vorbehaltloser Freundlichkeit“ zu begegnen, ohne strenge Beurteilungen. Es kann geschehen, dass ich, je mehr ich sitze, beginne mich abzulehnen oder gar zu hassen, weil so viel Unerwartetes und Unangenehmes auftaucht. Genau bis zu diesem Punkt muss es gehen. Erlaube es dir zu fühlen mit der Gewissheit: Es ist „richtig“! Denn Schutz ist immer der Impuls, etwas nicht fühlen zu wollen oder nicht geschehen zu lassen. Erst wenn ich beginne, meine Gedanken und Emotionen zu durchschauen, verlieren sie ihre Bedrohlichkeit und die Angst kann sich auflösen. Denn es sind nicht die Dinge an sich, die mich ängstigen, sondern es sind lediglich meine Meinungen über die Dinge!

Es gilt Frieden zu schließen – Freundschaft zu schließen mit sich selbst und dem Leben!

Beginne, wo du bist! Erkenne an, was gerade in deinem Bewusstsein auftaucht! Fange an auf deinen Atem zu achten, wie er ein- und ausströmt. In diesem einen Schritt, den du tust, liegt der ganze Weg – Aufbruch und Ankunft, immer wieder neu.

In ähnlicher Weise drückte es Alfred Delp aus, der kurz vor seiner Hinrichtung aus seiner Zelle im Gefängnis Berlin-Tegel folgende Worte schrieb:

„Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten: Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen. Wir aber sind oft blind. Wir bleiben in den schönen und bösen Stunden hängen und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt, an dem sie aus Gott herausströmen. Das gilt für alles Schöne und auch für das Elend. In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort. Dann wird das Leben frei in der Freiheit, die wir immer gesucht haben.“<

Benediktushof-Holzkirchen

Trenn Dich!

Impuls zum Thema „Trenn Dich…!“
von Dr. Alexander P
oraj

„Lasst mich euch sagen: Da ist kein Buddha,
kein Dharma, keine Übung, kein Erwachen.“

(Meister Linji)

Ja, trenn dich… das ist leicht gesagt. Oft und leicht. Vor allem als vermeintlich gut gemeinter Ratschlag anderen gegenüber. Trenn dich doch, wenn dir die Beziehung nicht passt, der Job langweilig oder sinnlos erscheint, die Wohnung zu klein oder zu groß ist. Und überhaupt lass einfach los! Am besten alles, denn das Loslassen ist in der spirituellen Szene zum Allheilmittel schlechthin aufgestiegen. Wodurch? Vermutlich durch die Vorstellung, dass wir ohne alles endlich mal frei und sorglos sein könnten. Und so steht früher oder später eben alles auf dem Prüfstand unserer neuen und neuesten Vorstellungen und Ansichten, wird kritisch von unserem Gemüt geprüft und, so sich über kurz oder lang kein positives Gefühl einstellt, zum „Loslassen“ freigegeben.

Mit der Zeit haben wir so manches durchlebt, und das bedeutet eben, dass wir erkennen müssen, dass wir weiterhin in Kontakt mit Personen, Situationen oder Gegenständen bleiben, von denen wir uns nur allzu gerne trennen würden. Nur gehen sie einfach nicht und wir häufig genauso wenig. Andererseits möchten wir in Beziehung oder im Besitz bleiben, weil es uns gut tut oder als wichtig, ja unerlässlich erscheint. Und siehe da, die Personen gehen, Umstände ändern sich von jetzt auf gleich und Gegenstände verschwinden, ohne auf uns auch nur die geringste Rücksicht zu nehmen.

Irgendwann mal sind wir des Ganzen müde und überdrüssig geworden. Wir bemerken, dass vielleicht die Unzufriedenheit doch an uns liegen könnte. Ja, wir werden sogar wütend auf uns selbst und auf die Tatsache, dass wir immer noch bedürftig sind, immer noch gerne etwas hätten und bräuchten. Was machen wir also mit all den Bedürfnissen? Wir bündeln sie zusammen und nennen das Bündel „Ego“. „Ego“ ist damit alles, was ich an mir entdecke und entgegen aller Bemühungen noch nicht losgeworden bin. Dann kommt der nächste Schritt und das „Ego“ wandert auf den ersten Platz der zum Loslassen angefertigten Hitliste. Und spätestens jetzt wenden wir uns an die spirituelle Übung, denn sie scheint doch genau das Mittel erster Wahl zu sein, um uns vom „Ego“ erfolgreich trennen zu können. Es gibt nämlich selten eine spirituelle Übung, die nicht früher oder später eine „Ich-Überwindung“ oder ein „Loslassen“ des Egos in Aussicht zu stellen meint. Zumindest möchten wir es gerne so verstehen.

Was passiert aber mit uns, wenn wir nach Jahren der „Übung“ feststellen, dass wir weiterhin wütend, traurig, hoffend oder verärgert auf bestimmte Umstände reagieren? Wie lange wird es noch dauern, bis wir merken, dass wir nichts wirklich loswerden können und das wir uns nie wirklich von jemanden oder von etwas trennen können und zwar deswegen, weil alles, absolut alles, eins ist, sich gegenseitig bedingt und vergeht, ob es uns gefällt oder nicht?

Niemals standen wir auch nur einen Augenblick vor der Alternative etwas zu haben oder sich von etwas zu trennen. Niemals. Zum Sosein gibt es keine Alternative. Zum „Ego“ ebenfalls nicht. Wir leben in allem, mit allem, von allem und durch alles. Das bedeutet aber, dass wir uns nicht einmal von der Vorstellung einer Trennung und des Loslassens freimachen können, sollen, noch müssen. Was tun also? Das, was ansteht. Sie wissen es schon….

Benediktushof – Zentrum für Meditation und Achtsamkeit

ZEN

Zen ist Zen und bleibt immer Zen, unabhängig davon, in welcher Gesellschaftsordnung es gelehrt und praktiziert wird. Der Kern des Zen ist immer gleich – er zielt auf die Erfahrung der Wirklichkeit. Zen verweist damit auf einen Erfahrungsraum jenseits unserer rationalen Fähigkeiten. Auf diese Erfahrung, die im Zen „Satori‟ genannt wird, kann unsere Umgangssprache nur verweisen. Zen ist ein Übungsweg, der unserem Standort in diesem zeitlosen Universum den Boden unter den Füßen entzieht. Unser Ich sieht die Welt gleichsam durch eine Brille. Aber diese Welt, die wir sehen, ist nicht die wahre Wirklichkeit. Vertreter der Quantenphysik und der Neurowissenschaft gestehen heute offen ein, dass ihnen diese vermeintliche Wirklichkeit entgleitet und eine „Ebene‟ erahnen lässt, die rational nicht mehr begriffen werden kann. Zen hat in jeder Epoche auch sein Äußeres verändert. Die Kultur und vor allem die Sprache des betreffenden Landes, in das es kam, zog ihm ein entsprechendes Kleid an. Doch es ist immer nur das Kleid, das sich ändert, nicht sein Wesen.Zen möchte den Menschen auf eine Ebene führen, die für alle Menschen die gleiche ist, wenn sie dahin durchbrechen. Es zählt dann nicht mehr, welcher Kultur, Nationalität oder Konfession wir angehören und welche Weltanschauung wir haben. Die neue Zen – Linie ist ein Versuch, diesen Weg im Westen zu vermitteln.

Benediktushof Holzkirchen – ZEN

Ostern: Jenseits von Kreuz und Tod

Das Osterfest erinnert an die Auferstehung Jesu Christi, die sich nach biblischer Überlieferung in den frühen Morgenstunden des Ostersonntags ereignete. Christen begreifen dieses Ereignis als Befreiung von der Macht des Todes. Darum feiern sie Ostern das Fest der Hoffnung, dass das Leben – in gewandelter Form – über den Tod hinausreicht.

Von dem unglaublichen Erlebnis der Auferstehung ging unter den Anhängern Jesu eine besondere Dynamik aus. Sie war das erste Ereignis im Leben von Jesus Christus, das Christen an bestimmten Tagen und Daten immer wieder erinnerten und feierten. Mit den historischen Daten dieses Ereignisses nahm man es allerdings nicht so genau. Die frühen Christen orientierten sich zunächst an der jüdischen Gottesdienst- und Festpraxis. Erst im 2. Jahrhundert nach Christus ist eine „christliche“ Pessach-Feier belegt. 325 einigte man sich nach längerem innerkirchlichen Streit, das Fest der Auferstehung Jesu auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond zu legen – so wird es auch heute noch gefeiert. Seither unterscheidet sich der christliche Festkalender von dem des Judentums und vom heidnischen Jahreskreis.

“Meditation heißt, seiner Gedanken und Gefühle gewahr zu sein” – Krishnamurti

In der Meditation wird der Mensch seiner Vergangenheit ledig. Dieses ganze Problem zu erforschen ist Meditation. Man ist mit diesem Wort sowohl im Osten wie im Westen in einer höchst unglücklichen Weise umgegangen. Es gibt verschiedene Meditationsschulen, verschiedene Methoden und Systeme. Es gibt Systeme, die sagen, „Beobachte die Bewegung Deiner großen Zehe, beobachte sie, beobachte sie, beobachte sie.“ Es gibt andere Systeme, die empfehlen in einer ganz bestimmten Haltung zu sitzen, regelmässig zu atmen oder Bewusstheit zu üben. Das alles ist äusserst mechanisch. Eine andere Methode gibt Ihnen ein bestimmtes Wort mit dem Hinweis, dass Sie eine ungewöhnliche transzendentale Erfahrung werden, wenn Sie es ständig wiederholen. Das ist reiner Unsinn. Es ist eine Art von Selbsthypnose. Wenn Sie das Wort Amen oder Om oder Coca-Cola unaufhörlich wiederholen, werden Sie gewiss eine bestimmte Erfahrung haben, weil Ihr Geist durch die Wiederholung ruhig wird.

Es ist ein wohlbekanntes Phänomen, das seit Jahrtausenden in Indien praktiziert worden ist – Mantra-Yoga wird es genannt. Durch Wiederholung können Sie bewirken, dass der Geist freundlich und sanft wird, aber er bleibt ein kleinlicher, minderwertiger, unbedeutender Geist. Sie mögen ebensogut einen Zweig, den Sie im Garten aufgelesen haben, auf den Kaminsims legen und ihm jeden Tag eine Blume opfern. Nach einem Monat werden Sie ihn anbeten, und wenn Sie es versäumen, eine Blume davor niederzulegen, wird es zu einer Sünde werden.

Meditation heisst nicht, einem System zu folgen; sie besteht nicht in ständiger Wiederholung und Nachahmung. Meditation ist keine Konzentration. Es ist eine der Lieblingsmethoden einiger Meditationslehrer, darauf zu bestehen, dass ihre Schüler zunächst Konzentration erlernen – das bedeutet, den Geist auf einen Gedanken zu fixieren und alle anderen Gedanken zu vertreiben. Das ist höchst stumpfsinnig und hässlich; jeder Schuljunge kann das, weil er dazu gezwungen wird. Es bedeutet, dass Sie sich ständig im Kampf befinden zwischen der Beharrlichkeit einerseits, mit der Sie sich konzentrieren müssen, und Ihrem Geist andererseits, der zu allen möglichen Dingen abirrt. Worauf es allein ankommt, ist, dass Sie vor jeglicher Regung Ihres Geistes achtsam sein sollten, wo immer er auch herumwandern mag. Wenn sich Ihr Geist verliert, bedeutet es, dass Sie an etwas anderem interessiert sind.

Schweigen ist Gold – von Swami Satchidananda

In diesen stressigen Zeiten wird der eigene Geist – bombardiert mit Tausenden Sinneseindrücken – zu einen unserer schlimmsten Feinde, während er ständig dieselben Muster wiederholt und grübelt „was wäre wenn? “. Wie die moderne Wissenschaft uns sagt, entstehen die meisten der modernen Krankheiten durch Stress. Und eine der schlimmsten Stressquellen ist übermäßiger Lärm. Wir sind wesentlich häufiger Lärm ausgesetzt als unsere Vorhaben und zudem wesentlich größeren Lautstärken. Die üblichen Lärmquelle in unserem Leben sind Autolärm, elektrische Geräte, Nachbarn, Flugzeuge und, als wäre dies nicht genug, sorgen wir selbst mit Handys, Fernsehen, Radio, iPods und Musikanlagen für weiteren Lärm. All dies überlastet, schwächt und zerstreut unser Nervensystem. Ist es da verwunderlich, wenn Jugendliche unter modernen Krankheiten wie ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) und Hyperaktivität leiden und Schulversagen beispiellose Ausmaße annimmt?

Ist es verwunderlich, wenn alle ständig das Gefühl haben, zu wenig Zeit zu haben und unter Ängsten leiden und ein Viertel der erwachsenen Amerikaner große Schwierigkeiten hat, einzuschlafen? Ist es verwunderlich, dass es in Amerika in den letzten 10 Jahren ein explosionsartiges Wachstum beim Konsum von Psychopharmaka gab? Dass die Drogen der Wahl Alkohol, Marihuana und andere illegale Drogen sind, mit all ihren negativen Nebenwirkungen? Wir haben eine Kultur entwickelt, die auf Lärm und der Reizung der Nerven basiert und dies führt dazu, dass der moderne Durchschnittsmensch keinen Frieden finden kann. Einer der besten Wege, aufzuhören, sich in den Spielen des Geistes zu verlieren und die Wirkungen dieses ganzen sensorischen Stresses unter Kontrolle zu bringen, ist zu lernen, wie man über längere Zeiträume schweigt. In einem späteren Abschnitt dieses Artikels wirst Du lernen, wie man sich zum Schweigen zurückzieht. Aber wenn Du dies noch nie gemacht hast oder im Zweifel bist, ob Du einen oder mehrere Tage lang schweigen kannst, ist es vielleicht besser zunächst auf ein Schweigen-Retreat zu gehen, dass von anderen organisiert ist. Du musst dazu nicht weit weggehen, aber Du musst Deine gewohnheitsmäßigen Ablenkungen ausschalten. Du verlässt am besten Deine häusliche Umgebung für ein paar Tage oder Du lernst zumindest, wie Du erreichen kannst, dass ein Schweige-Retreat auch zuhause funktioniert. Retreat-Center oder Ashrams organisieren oft formelle Schweige-Retreats, um den Weg zum Schweigen einfacher zu machen. Sie stellen eine inspirierende Umgebung zur Verfügung, idealerweise in der Natur, wo die unmittelbaren Bedürfnisse wie Mahlzeiten und Ruhe befriedigt werden. Retreat-Center und Ashrams unterstützen Dich auch durch Yoga- und Meditationsgruppen, inspirierende Gespräche und Unterweisung in die Feinheiten der Entwicklung von Schweigen. Schweigen einzuhalten ist das, was Spiritualität mehr als alles andere von Religion unterscheidet. Man findet es nicht in Seminaren zum persönlichen Wachstum, Gesundheitskursen oder intellektuellen Bestrebungen geschweige in Bildungsinstitutionen.

Jiddu Krishnamurti spricht über die Liebe

„Das Verlangen, in den persönlichen Beziehungen sicher zu sein, erzeugt unvermeidlich Leid und Furcht. Dieses Suchen nach Sicherheit fordert die Unsicherheit heraus. Hast Du in irgendeiner Deiner Beziehungen jemals Sicherheit gefunden? Hast Du das? Wenn wir lieben und geliebt werden, wünschen sich die meisten von uns Sicherheit in dieser Liebe. Aber ist das Liebe, wenn jeder seine eigene Sicherheit, seinen eigenen Weg sucht? Wir werden nicht geliebt, weil wir nicht zu lieben wissen. Was ist Liebe? Das Wort ist so belastet und verfälscht, dass ich es ungern gebrauche. Jedermann spricht von Liebe – jedes Magazin,  jede Zeitung und jeder Missionar spricht unaufhörlich von Liebe. Ich liebe mein Heimatland, ich liebe meinen König, ich liebe irgendwelche Bücher, ich liebe diesen Berg, ich liebe das Vergnügen, ich liebe meine Frau, ich liebe Gott. Ist Liebe eine Idee? Wenn sie es ist, dann kann sie kultiviert, gehegt und gepflegt, herum gestoßen und verunstaltet werden, ganz nach Deinem Belieben. Wenn Du sagst, Du liebst Gott, was bedeutet das? Es bedeutet, dass Du die Projektion Deiner eigenen Vorstellung liebst, eine Projektion Deiner selbst, die in konventionelle Formen gekleidet dem entspricht, was Du für edel und heilig hältst. Darum ist es absoluter Unsinn zu sagen, ‚Ich liebe Gott.‘ Wenn Du Gott anbetest, betest Du Dich selbst an – und das ist keine Liebe.