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„Sei Du die Veränderung“
Fernand Braun

„Sei Du die Veränderung“
von Fernand Braun
Kontemplations-Lehrer und Leitungsmitglied der Linie „Wolke des Nichtwissens“, Mitglied der Spirituellen Leitung am Benediktushof
„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt“
(Ghandi)
Gandhis Satz „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt“ ist zu einer Art globalem Ethos geworden.
Dieser Satz gewinnt seine Kraft erst dann, wenn er mit konkreten Geschichten verbunden wird. Veränderung ist keine bloße Vorstellung, sondern wird Wirklichkeit in den Entscheidungen von Menschen – oft gerade angesichts von Leid und Gewalt.
Der Film Das Herz von Jenin dokumentiert die Entscheidung eines palästinensischen Vaters, nach dem Tod seines zwölfjährigen Sohnes durch einen israelischen Scharfschützen dessen Organe zu spenden – auch an israelische Kinder. Er sagte: „Ich habe meinen Sohn durch Gewalt verloren. Wenn ich den Schmerz eines anderen Vaters lindern kann, dann lindert das auch ein Stück meines eigenen Schmerzes.“
Diese Handlung durchbricht den Kreislauf von Vergeltung, der in einem jahrzehntelangen Konflikt fast selbstverständlich geworden ist. Der Vater fügte hinzu: „Vielleicht können wir den Kreislauf des Hasses durchbrechen, wenn wir das Menschliche im anderen sehen.“ Damit verkörpert seine Entscheidung Gandhis Prinzip, dass Veränderung nicht von außen heraufbeschworen, sondern von innen heraus gestaltet wird.
In der Bergpredigt formuliert Jesus diesen Anspruch radikal: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen!“ (Mt 5,44). Hier wird deutlich: Liebe endet nicht bei denen, die mir nahestehen, sondern schließt gerade den Gegner ein.
So wird die Tat des Vaters in Jenin zu einer existenziellen Entscheidung für die Liebe – für ein Leben, das weitergeht, jenseits von Hass. Sie zeigt, dass Liebe nicht bloß ein sentimentales Gefühl ist, sondern eine „Kraft“, die Realität verändert.
Sentimentalität bewegt sich oft an der Oberfläche: ein Gefühl, das kommt und geht abhängig von Stimmungen und Umständen. Die Liebe, die hier sichtbar wird, ist dagegen radikal, erdend und zugleich übersteigend. Etwas, das unserem Wesen eigen ist. Viele Denker – von Mystikern bis zu modernen Psychologen – verstehen den Menschen im Kern als auf Beziehung, Mitgefühl und Verbundenheit angelegt. Liebe ist in diesem Sinn nichts, das wir „machen“, sondern etwas, das geschieht, wenn wir dem anderen wirklich begegnen, jenseits von Schutzmechanismen und Vorurteilen – eine Begegnung „jenseits von richtig und falsch“ (Rumi).
Diese Liebe eröffnet eine neue Realität. Sie ist nicht weich oder schwach, sondern voller Mut. Sie setzt die Bereitschaft voraus, sich dem Schmerz zu stellen, das Herz nicht zu verschließen, nicht abzustumpfen. Dieser Mut macht Liebe so kraftvoll: sie nimmt das Leid auf, verwandelt es und schenkt es als Leben weiter.
Vielleicht könnte man sagen: Liebe ist eine existenzielle „Energie“, die dort zum Vorschein kommt, wo wir das Trennende durchschauen und die grundlegende Verbundenheit aller Menschen erkennen. Sie ist nicht nur Gefühl, sondern Haltung – eine Entscheidung, gespeist aus einer tieferen Quelle als Angst oder Rache. In dieser Liebe ist es möglich, das unverstellte Menschliche zu sehen und unser gemeinsames Menschsein zu erkennen.
In dieser Sichtweise wird die Kraft der Liebe sichtbar: Sie durchbricht Kategorien, Rollen, Zuschreibungen – und sieht das unverstellte Menschliche. Der Vater sah nicht mehr nur „den Feind“ oder „den Angehörigen einer anderen Religion“, sondern das Kind – schlicht als Kind, das leben will. Und für diese Möglichkeit hat sich der Vater entschieden! Die Liebe entlarvt alle Kategorisierung als Illusion, als Irrtum und führt zurück zu dem, was wir jenseits aller Zuschreibungen sind – einerseits verletzliche, lebendige Wesen, die leben wollen und andererseits fähig sind zur bedingungslosen Liebe und radikaler Akzeptanz. Fähigkeiten, die unserem Wesen eigen sind!
Wie ist es möglich, eine solche Entscheidung treffen zu können?
Eine spirituelle, beziehungsweise kontemplative Praxis kann eine solche Entscheidung ermöglichen. In der Stille, durch Wachheit und Bewusstheit, im geduldigen Loslassen festgefahrener Muster „relativiert“ sich das Ich, es verliert seine absolute Stellung. So kann sich ein innerer Raum öffnen, in dem Hass nicht das letzte Wort hat. Hass lebt von Enge, von der Identifikation mit verletzten Rollen („ich als Opfer“, „der andere als Feind“). Liebe – in der Tiefe erkannt – lebt von Weite: Sie sieht mehr, als das Ego sehen kann und will. In dieser Weite liegt auch die schöpferische Kraft, neue Wege zu gehen, die jenseits der Logik von Gewalt und Gegengewalt liegen.
So betrachtet ist die Entscheidung des Vaters Ausdruck innerer Freiheit, die nicht einfach „gemacht“ werden kann, sondern in einem Prozess reift: dem Loslassen alter Narrative, dem Sich-Öffnen für eine größere Wirklichkeit, dem Vertrauen, dass Liebe und Leben stärker sind als Hass und Tod.
Darum lässt sich Gandhis Satz in diesem Licht noch einmal zuspitzen:
Die Veränderung der Welt beginnt dort, wo wir selbst das leben, was wir uns für sie ersehnen.
Oder in aller Kürze: Verändere dich – und du veränderst die Welt.
DHARTI HAI AKASH HAI || Kundalini Mantra to Bring Attention to the Present Moment
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What really exists | under the surface – Jim Carrey
„Unsere Ahnen – und die Ahnung von der unfassbaren Dimension des Lebens“

Zenmeister der Linie „Leere Wolke“ (Willigis Jäger), Mitglied der spirituellen Leitung am Benediktushof
„Enkel bist du!
Siegen und Sorgen gestern Gewesener dankst du dein Dasein.
Hältst als Ahnherr Segen und Fluch fernster Geschlechter hütend in Händen.“
(aus der Edda)
Traditionell gilt der November dem Gedenken unserer Verstorbener. Interessant ist dabei bereits die Wahl des Monats: November. Vermutlich fiel die Wahl auf diesen Monat, weil er die Zeitspanne gewisser Trostlosigkeit benennt. Alle Blätter sind „gefallen“. An den Frühling ist noch nicht zu denken, daher umso mehr an den vergangenen Sommer und Herbst, denn diese liegen noch wach in unseren Erinnerungen. Wir trösten uns jetzt dadurch, indem wir der vergangenen Tage gedenken. So ähnlich kann es mit dem Gedenken an unsere Verstorbenen geschehen. Wir erinnern uns an bestimmte Personen, mit denen uns vieles verband. Ihre leer gebliebenen Plätze wurden oder werden nicht neu besetzt oder gar ersetzt. Die „Leere“ lädt dazu ein, sich zu erinnern.
Ich möchte Sie dazu einladen, das Erinnern etwas zu erweitern. Gehen Sie bitte in diesen Tagen über die Ihnen bekannte Personen hinaus. Sie können es tun, indem Sie zu Hause oder am Grab ihrer direkten Vorfahren stehend eine Kerze anzünden und den Ahnen gedenken. Das Wort „Ahnen“ kann die Wirkung erzeugen, dass Sie sich präsenter und zugleich offener ereignen können. Entgegen unseren heutzutage vorherrschenden Meinungen können Sie „er-ahnen“, dass Sie sich bei weitem nicht sich selbst zu verdanken haben. Mehr noch: Sie können er-ahnen, dass Sie viel weniger ein klar abgegrenztes Wesen sind, das selbständig und aus sich heraus lebt und waltet.
Sie können eine Ahnung davon bekommen oder gar von einer Ahnung heimgesucht werden, dass auch Ihre am weitesten zurückliegenden Ahnen allein durch ihr Sosein entschieden dazu beigetragen haben und immer noch beitragen, dass Sie genauso sind, wie Sie sind und genau das tun oder lassen, was Sie Ihr Leben nennen. Hätte es vor vier- oder achthundert Jahren genau diesen bestimmten Mann nicht gegeben, der genau dieser und nicht einer anderen Frau begegnete, so wären Sie ganz sicher heute nicht da.
Keine Frau und kein Mann; kein Ereignis, keine Begegnung; Leben, Tod, Krieg, Flucht, Sieg, Neuanfang, Freude, Scheitern, Fehlgeburt, Mord oder Qual; kein Zufall oder Absicht, keine andere Eizelle oder Spermium dürfen fehlen oder gar ein wenig anders sein, als sie es in der Tat waren und sind, damit wir genauso da sind, wie wir sind.
Ihre und meine „Einmaligkeit“ verdanken wir nicht uns selbst, sondern der Einmaligkeit einer jeden Situation vor und neben uns, die genauso sein musste und sein muss, wie sie war und eben jetzt ist, damit meine Augen beim Schreiben dieser Zeilen auf die ihnen eignen Art blinzeln.
Aus dieser Haltung heraus sind das Sosein und der zuvor erwähne Augenblick, nur weitere unbeholfene Namen für das unergründliche Geheimnis genannt Leben.
Aus dieser „Er-Ahnten“ Perspektive heraus und weniger aus der Anstrengung der Selbst-Behauptung, ertönt das, was wir mit dem Namen „Dankbarkeit“ bezeichnen. Dankbarkeit scheint die Melodie des Lebens zu sein, des gelebten Lebens, das zu sich selbst keine Alternative kennt. Sie erklingt immer, damit auch dann, wenn wir nicht oder noch nicht in der Lage sind, sie vernehmen zu können. Auch unsere Weigerung, unsere Angst, Unbeholfenheit und all das, was wir als unsere Fehler bezeichnen, scheinen Musik in den Ohren des Lebens zu sein.
In diesen Tagen und an den Gräbern unserer Ahnen stehend, lasst uns leben. Genau das sind wir ihnen schuldig. Und genau damit danken wir ihnen.
Mit Grüßen
Euer Alexander
www.benediktushof-holzkirchen.de