Archiv des Autors: Roland Wälzlein
Wie findest Du heraus, wer bist Du?
Das Leben zulassen
Impuls zum Thema „Das Leben zulassen“ von Fernand Braun, Leitung der Kontemplationslinie Wolke des Nichtwissens am Benediktushof
„Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten: Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen. Wir aber sind oft blind. Wir bleiben in den schönen und in den bösen Stunden hängen und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt, an dem sie aus Gott herausströmen.“
Alfred Delp
Ein Kursteilnehmer erzählte mir von einer Begebenheit aus seinen Ferien. Er ist zwei Wochen zu Fuß durch die Wälder Finnlands gewandert. Eines Abends beschließt er, die Nacht in der Nähe eines Bachlaufes zu verbringen.
Das Lager erscheint ideal und verspricht wohltuende Erholung von der Anstrengung der Wanderung und Abkühlung von der Hitze des Tages. Nachdem er sein Zelt aufgebaut und sich hingelegt hatte, wird ihm die Vielfalt der Geräusche im Wald bewusst. Es berührt ihn tief! Nur das Plätschern des Baches – am Anfang belustigt ihn das Gurgeln des Wassers, aber dann kommt es ihm zu unruhig, zu wild vor, und schließlich ist es nur noch laut und störend, zu störend für einen verdienten, erholsamen Schlaf nach einer langen, anstrengenden Wanderung!
Er steht auf und verschiebt die Steine im Bachlauf, um das wilde Geplätscher des Wassers irgendwie zu verändern oder zumindest abzumildern. Nach vertaner Mühe packt er schließlich übermüdet und verärgert Zelt und Rucksack ein um sich ein anderes Lager zu suchen. Diese Geschichte erzählt er mir um die Unsinnigkeit und Widersprüchlichkeit seines Verhaltens zu schildern: einerseits die Schönheit und Harmonie der Natur und andererseits sein Widerwille und innerer Widerstand gegenüber dem, was ist!
Eine Grunddynamik des „Ich“ ist Ablehnung! Es ist eine mentale Gewohnheit des Egos, alles zu kommentieren und zu etikettieren: das will ich – das will ich nicht, das finde ich schön – jenes hässlich, das ist richtig – anderes falsch, usw. Es ist das ständige Bewerten und Verurteilen, das uns leiden lässt und auch viel Leid bewirkt. Dabei ziehen wir uns vom gegenwärtigen Augenblick zurück, fühlen uns getrennt und allein gelassen. Diesen inneren Kriegszustand können wir dadurch beenden, indem wir zunächst allem, was ist, unsere volle Aufmerksamkeit schenken – sowohl nach außen als auch nach innen!
Dabei kann uns bewusst werden, dass es weniger die äußeren Dinge sind, die für uns schmerzlich sind (und auch viel Leid bewirken), sondern vielmehr unser innerer Widerstand gegenüber diesen Dingen. Diesem inneren Widerstand gilt zunächst unsere ganze Aufmerksamkeit. Es ist nicht einfach, bei dem zu bleiben, was ist. Aber haben wir wirklich eine Wahl, anstatt uns zu verweigern oder zu verabschieden?
Eine offene und annehmende Haltung ist der erste und entscheidende Schritt aus diesem Dilemma.
Wir überwinden niemals etwas, indem wir uns dem widersetzt.
Der einzige Ausweg ist „der Weg durch“! – Indem wir es annehmen und uns hingeben. Wenn wir uns hingeben, überlebt das Ego es nicht! Annahme und Hingabe ist etwas, was wir nicht tun! Es ist vielmehr die Einübung in eine offene Haltung des Empfangens, das Zulassen eines Geschehens, das in jedem Augenblick stattfindet. Unser Bewusstsein ist wie ein Spiegel: nichts wird zurückgewiesen und nichts festgehalten.
Es ist grenzenlose Offenheit. Wir erfahren tiefe Verbundenheit und gleichzeitig bedingungsloses Angenommensein! Die Folge ist entspannte Gelassenheit, aus der eine warme, freundliche Haltung allem Lebendigen gegenüber erwächst.
Dies versucht Alfred Delp kurz vor seiner Hinrichtung in dem Text „Die Welt ist Gottes so voll!“ zu beschreiben. Durchleben und durchleiden wir die schönen wie die schwierigen Momente bis an den „Brunnenpunkt“, wo uns das Göttliche geradezu entgegenquillt, erkennen wir den unschätzbaren Wert des Lebens, die Vollkommenheit jeden Augenblicks – unerschöpflich in seiner Fülle. Gerade auch in den kleinen und einfachen Dingen verbirgt sich die größte Kraft, die das ganze Universum bewegt und erhält.
Es ist die Lebenskraft selbst – das, was wir „Gott“ nennen.
Choir! Choir! Choir! & Patti Smith sing „PEOPLE HAVE THE POWER“ in NYC
9 Important Tips for Meditation by Paramahansa Yogananda || Kriya Yoga Meditation
Was ist Yoga?
Wir sollten ganzheitlich auf das Menschsein blicken
Zeitlosigkeit im Jetzt
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www.benediktushof-holzkirchen.de
Eckhart Tolle über den Dalai Lama und dessen Selbstwertgefühl
Sadhguru über moralische Vorstellungen
Ganz Ankommen Kongress
Wie kann man am besten gesund bleiben?
Der Weg zur Freiheit
Impuls zum Thema „Der Weg zur Freiheit“ von Alexander Poraj, spirituelle
Leitung Benediktushof
„Der Sklave will nicht frei werden. Er will Sklavenaufseher werden.“ Gabriel Laub
Zu den allerwichtigsten Zielen vieler Menschen gehört derzeit zweifellos der Wunsch, frei zu sein. Das mag richtig erscheinen, so wir uns darüber im Klaren sind, was denn die „Freiheit“ sein sollte. Bleiben wir jedoch dabei, etwas genauer hinzuspüren, was sich hinter dem Wort „Freiheit“ verbirgt, beginnen wir zu realisieren, dass sie alles andere als greifbar und festgelegt ist. Am häufigsten meinen wir mit Frei-Sein, die Möglichkeit so zu handeln, wie wir es gerade gerne möchten. Also immer mehr die Möglichkeit zu haben, den eigenen Willen verwirklichen zu können. Noch deutlicher formuliert: Frei zu sein, bedeutet schlicht und einfach, nach Lust und Laune agieren zu können.
Ist das so, bemerken wir nicht, dass damit unsere Freiheit die Abhängigkeit von Gefühlen, Impulsen, Meinungen und Konzepten darstellt. Anders formuliert: Wir können nicht anders, als diesen Gefühlen, Impulsen und Konzepten Raum zu geben, sonst ginge es uns nicht gerade berauschend gut. Damit wiederum wäre nichts Geringeres erkannt, als dass wir uns immer dann als unfrei bezeichnen müssten, wenn wir nicht das eigentliche Ziel der Freiheit erreichen würden, nämlich das Glücklichsein. Damit taucht das nächste Rätsel auf, nämlich das „Glücklich-Sein“, welches sehr eng an das der Freiheit angelehnt ist, das aber ähnlich dem der Freiheit sich einer eindeutigen Festlegung entzieht. Warum? Weil, so auch hier die gängige Erklärung, jeder der Schmied seines eigenen Glücks sei, womit wir meinen erkannt zu haben, dass das Glück individueller Natur sei. Und auch das wäre akzeptabel, wenn es uns nicht zwangläufig zum nächsten Problem führen würde, nämlich der Frage nach dem Individuum oder noch deutlicher formuliert, zu der Frage aller Fragen, die da lautet: Wer oder was ist dieses „Ich“, das unbedingt frei und glücklich sein will?
Spätestens hier sollten wir bemerkt haben, dass sich unser Geist, ähnlich wie ein Äffchen, von einem Konzept-Ast zum nächsten schwingt. Natürlich in der Überzeugung, immer festen Boden unter den Füßen zu haben. Vielleicht besteht das Erwachen unter anderem gerade darin, schlagartig zu realisieren, dass es weder Äste noch Bäume noch festen Boden an sich gibt, sondern dass alles Erscheinungen unseres Geistes sind, uns mit inbegriffen? Damit wären Freiheit und Glück und Ich auch nichts anderes als genau das, was sich jetzt, in diesem Augenblick, unser Denken darunter vorstellt. Genau das und nichts anderes.
Kann uns diese Art des Erwachens weiterbringen auf dem Weg zur Freiheit und dem Glücklich-Sein? Ja, das kann sie. Weshalb? Weil wir endlich frei wären vom Freisein-Müssen. Auch das Glücklich-Sein-Wollen würde aufhören, als Endziel all unserer Handlungen fungieren zu müssen. Dann und nur dann wäre Gegenwart. Einfach und unspektakulär. Ein Schmunzeln, der Schritt, eine Träne, diese Berührung oder der Ton. Wir wären im Vollzug des Geschehens angekommen, weil wir in Wirklichkeit niemals woanders waren und es auch nicht wirklich sein konnten. Das Fieber des Suchens wäre plötzlich weg und mit ihm die fieberhaften Vorstellungen vom Besser-Sein. Alles steht genau dort, wo es stehen sollte und ereignet sich genau so, wie es sich ereignen sollte und auch der Zeitpunkt ist genau der richtige. Haben wir etwas erreicht? Müssen wir es Konzeptualisieren? Sollen wir dem „Jetzt“ einen Namen geben? Sie können es tun, ich übrigens auch, aber lassen Sie uns bitte Kosenamen verwenden.
Es grüßt herzlich
Alexander
Eckhart Tolle – Es fehlt noch was?
Stefanie Stahl – Das Kind in dir muss Heimat finden (Auszug)
Europäische Spirituelle Meister – Facetten des Erwachens
Inner Child – Fish And Scale
Hallo Ihr,
hab jetzt immer wieder das Feedback bekommen, dass der Song sehr berührt (mich selber auch). Deshalb hier für Euch nochmal „Inner Child“ in Video Form.
Facetten des Erwachens Trailer
Deva Premal Gayatri Mantra
Kreativität als spirituelle Praxis
Impuls zum Thema „Kreativität als spirituelle Praxis“
von Petra Wagner,
Mitglied der spirituellen Leitung der Kontemplationslinie
„Das WIE ist wesentlicher als das WAS.“
Prof. (FL) Heribert Losert
Dieses Zitat meines ehemaligen Professors für Aquarelltechniken sagt in wenigen Worten, worum es in der Kreativität, aber auch in der Spiritualität und vor allem im Leben geht. Das WIE steht für die innere Haltung, die Ausrichtung des Geistes, mit der die Übung vollzogen wird. Das WAS für die Erwartung, das Wollen, das Ziel, das es scheinbar zu erreichen gilt.
Es gibt eine wunderbare Übung in der Aquarellmalerei, die diese beiden Aspekte auf sehr herausfordernde Weise sichtbar werden lassen kann. Die Blauübung, auch „Kristall“ genannt. Die meisten Waldorf-SchülerInnen kennen sie (H. Losert hat sie in den 60er Jahren, während seiner Arbeit als Dozent der Rudolph-Steiner-Schule München, entwickelt) und erlernen mit ihr eine Technik des Aquarells, die Lasur. Das Offensichtliche, Schicht um Schicht eine Farbe aufzutragen und so ein Bild entstehen zu lassen und mit dem Lasieren auch die Beschaffenheit und Reaktion der Wasserfarbe zu erfahren, dient dem Kunstunterricht. Das Wesen dieser Übung ist jedoch ein zutiefst kontemplatives.
Diese eine Lasur, diese eine Form, dieser eine Pinselstrich – Jetzt. Allein dieser eine Pinselstrich Jetzt ist die Gestaltungsmöglichkeit der Form, der Farbe und damit letztendlich des Bildes, denn die Blauübung hat kein Korrektiv. Eine Lasur, die aufgetragen ist – Ist. Die Idee, die einmal gesetzte Lasur zu korrigieren, weil sie nicht den eigenen Erwartungen entspricht, bestraft sie mit Wasserflecken oder merkwürdigen sichtbaren Dunkelheiten, Strichen oder Leerstellen. Der Versuch, das Vergangene zu ändern, scheitert immer. Es gilt, mit dem was ist, weiterzugehen. Der nächste Pinselstrich – Jetzt. Die Aufmerksamkeit genau hier bei diesem Pinselstrich, bei dieser Form, dieser Lasur und sie darf sein, wie sie genau jetzt entsteht. Jenseits des Wollens, jenseits der Vorstellung was entstehen soll. Mit dieser inneren Haltung weben sich alle scheinbaren Unebenheiten auf wundersame Weise ein und es entsteht – Lasur um Lasur – ein Bild, das immer heller werdend, eine Ahnung von Weite und Tiefe zugleich vermitteln kann.
Die Blauübung verzeiht alles und zugleich nichts. Alles, da sich Lasur um Lasur auch eine etwas andere Form oder Farbabweichung harmonisch einwebt. Nichts, da bis zum letzten Pinselstrich die Möglichkeit besteht, die Arbeit zu ruinieren.
Wie bin ich da … WIE…. nicht WAS will ich malen, machen. Kein Ziel, keine Vorstellungen, nur dieser Pinselstrich in diesem Augenblick. Die spirituelle Übung wie das Stille Sitzen oder das Gehen fördert und fordert genau diese innere Haltung. Die Kreativität ist spirituelle Übung mit der Möglichkeit, ein unbestechlicher Spiegel zu sein. Sie macht sichtbar, in dem sie Ausdruck findet. Es gibt kein Beschönigen, kein Ausweichen, keine Möglichkeit „zu tun als ob“, denn es hat Gestalt gefunden und spiegelt die innere Haltung sehr genau im Äußeren, auf dem Papier, der Leinwand, in der Materie.
Das ist der Sinn der Kreativität als spirituelle Übung, das Sichtbarwerden des Wie, ohne die Möglichkeit der Vertuschung, der Flucht. Seit annähernd 30 Jahren ist die Blauübung meine ständige Wegbegleitung und unbestechliche Meisterin. Wann immer die Hand den Pinsel greift, ist unmittelbar spürbar, wie es jetzt ist. Auch dieses Spüren lassen und ganz Pinsel, Farbe, Form und Papier sein. Ohne Wollen, ohne Vorstellung, ohne Ziel.
„Auf die Haltung allein kommt es an.
Denn nur sie allein ist von Dauer und nicht das Ziel, das nur ein Trugbild des Wanderers ist,
wenn er von Grat zu Grat fortschreitet,
als ob dem erreichten Ziel ein Sinn innewohnte.“
Antoine de Saint-Exupéry
P.S. Die Blauübung, der Kristall ist am Benediktushof im Westflügel sichtbar. Für gewöhnlich im Format 50×60 gearbeitet, hat dieses große Format auch eine Vorstellung enttarnt: die Idee des Formats. Die Kreativität kann spirituelle Lehrerin sein.

